#glaubenssteine - ein kunstprojekt

 

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Hier geht’s zum Video auf dem YouTube-Kanal des Ev. Kirchenkreises Lichtenberg-Oberspree!

 

#glaubenssteine - ein kunstprojekt│Idee und Umsetzung: Friedrich Böhme und Barbara Gerasch

Studierende der Evangelischen Hochschule Berlin (EHB) haben sich im Sommersemester 2021 unter Leitung von Friedrich Böhme im Rahmen eines Seminars mit #glaubenssteine intensiv auseinandergesetzt - hier ihre Eindrücke:

„Die Telefonnummer Gottes :)"

Diesen Kommentar fanden wir in einer der vielen bunten Bibeln, welche zum Kunstprojekt “glaubenssteine” gehören. Bereits jede Einzelne dieser Lutherbibeln ist für sich genommen schön anzusehen, doch lassen 48 Stück von ihnen gemeinsam ein neues Bild entstehen. Sie erinnern dann kaum noch an zusammengelegte Bücher. Viel mehr wirken sie wie Buntglasfenster, welche man hinter alten Kirchenmauern erwartet. Jugendliche aus dem ganzen Gebiet der EKBO waren für die Gestaltung der Bibeln zuständig und der Prozess stand unter dem Motto: „Jede*r, die*der einen Pinsel halten kann, kann auch eine Bibel bemalen!”. So ließen also Jugendliche mit oder ohne kirchlichen Background bunte Streifen und Farbtupfer auf den Bibeln entstehen. Dies passierte unter Leitung der Künstlerin Barbara Gerasch, welche die Bücher dann in einer zweiten Bearbeitungsphase in die endgültige Form brachte. Anschließend wurden die “glaubenssteine” an unterschiedlichen Orten in Berlin und sogar auf dem Kirchentag 2019 in Dortmund ausgestellt. Hier schaffte es dann auch der bereits erwähnte Kommentar in eine der Bibeln. Alle waren dazu eingeladen, in den Büchern zu stöbern, Stellen zu markieren oder auf ihren Lieblingstext hinzuweisen. Das Bild der „Telefonnummer” finden wir für diesen Schritt besonders passend, da die Eintragungen oftmals so wirkten, als hätte man für eine bestimmte Person eine Nachricht hinterlassen. Manche Kommentare sind kurze Gebete, andere richten sich direkt an weitere Leser*innen. Oftmals ist nur ein Vers in bunter Farbe markiert mit den Worten: „Das ist mein Konfirmationsspruch!”. Auch kritische und nachdenkliche Eintragungen lassen sich finden. Schaulustige können hier nicht nur Kunst bestaunen, sondern diese auch in die Hand nehmen und einen eigenen persönlichen Beitrag hinzufügen.

Wir hatten auch die Möglichkeit, ein kurzes Interview mit der Künstlerin Barbara Gerasch zu führen. Hier finden Sie ihre Antworten auf unsere Fragen:

Welche Rolle spielt die Bibel für Sie selbst und warum sind Sie Teil dieses Kunstwerkes?

„Persönlich hatte ich bis zum Beginn des Projektes keinen Bezug zur Bibel. Ich wusste, dass die Bibel das „Buch der Bücher“ genannt wird, die Quelle des Christentums darstellt und ein wichtiges Gut unserer abendländischen Kultur ist. Jedoch hatte ich mich nie tiefergehend mit ihr beschäftigt. Genau dieses Mysterium hat das Projekt für mich auch so spannend gemacht. Ich wollte diesem für mich geheimnisvollen Buch durch eine malerische Erfahrung auf die Spur kommen.

Die Kunst besteht in der Idee selbst. Die Ergebnisse des Projektes: Die Malerei-Happenings, die Atelierarbeit und die Bibelimpulse, all das lässt sich zusammengefasst der Konzeptkunst zuordnen. Natürlich habe ich eine komplett andere Aufgabe in diesem Projekt als Friedrich Böhme. Jedoch besteht genau darin der Reiz, dass es zwei verschiedene Dinge sind, die zusammengefunden haben, die normalerweise nicht miteinander in Verbindung gebracht werden.“

 

Hätten es auch andere Bücher sein können als Bibeln?

„Nein. Vielleicht war das Schicksal und sollte so kommen. Es fühlt sich aus heutiger Perspektive so an, als wenn der Heilige Geist uns diese Idee in den Kopf gepflanzt hätte. Deshalb mussten es auch Bibeln sein, zumal die Idee aus einem konkreten Anlass heraus entstanden war.“

 

Wie genau ist denn die Idee entstanden?

„Seit 2012, als mein Projekt „100 Alte“ zum ersten Mal eher durch einen Zufall den Weg in eine Kirche fand, hatte ich durch verschiedene Folgeprojekte immer wieder Kontakt zu Mitarbeitern der ev. Kirche, unter anderem auch zu Friedrich Böhme. Er selbst, junge Leute aus der Jungen Gemeinde in Friedrichshagen und Konfirmand*innen, die Friedrich 2017 in Friedrichshagen begleitete, unterstützten mich damals sehr bei der Herstellung des Mittelteils zum „Altar der 100 Alten“, der im selben Jahr auf dem Kirchentag in Berlin gezeigt wurde.

Im Nachgang zu dieser inspirierenden und freundschaftlichen Zusammenarbeit entstand dann eines Nachmittags im Juni 2017 beim Kaffeetrinken die Idee zum Projekt Glaubenssteine. Mit der Kuchengabel in der Hand spannen wir uns in eine Idee zu einem Raum der Stille ein, den wir gemeinsam erschaffen könnten. Friedrich Böhme zeigte mir Bibeln mit weißen Einbänden zum Selbstgestalten und so führte eins zum anderen…“

 

Hatte der Inhalt der Bibeln Einfluss auf die künstlerische Gestaltung?

„Natürlich hatte ich den Inhalt der Bibeln im Hinterkopf, den konnte und wollte ich nicht ausblenden. Bei der malerischen Konzeption sollte jedoch der Bibelinhalt ganz bewusst keine Rolle spielen. Meine Vorstellung war, dass das Gesamtbild aus vielen kleinen Teilen bestehen sollte. Jede einzelne Bibel sollte darüber hinaus ein in sich funktionierendes Fragment des großen Ganzen sein, jedes Buch eine eigenständige Komposition bilden. Mir ging es auch um Verbindung und Verbundenheit. Wie bei einem Puzzle sollte es sein: Nimmst Du ein Teil heraus, funktioniert das ganze Bild nicht mehr. Mein Leitmotiv entdeckte ich nach langem Hin und Her schließlich zufällig beim Besuch eines Buchladens. Dort fiel mir ein Buch über Kirchenfensterrosetten in die Hände. In den großartigen Licht- und Farbspielen von Kirchenfenstern und den Kreisformen der Rosetten fand ich die Bezüge zu meiner Malerei, nach denen ich gesucht hatte.  Ich entschied, zunächst mein Motiv am Computer ein wenig zu vereinfachen und zu verfremden. Damit ließen die einzelnen kleinen Kompositionen genügend Raum für Spekulationen und Interpretationsmöglichkeiten, mit denen jede*r etwas anfangen kann.“

 

Was ist für sie das Spannende an diesem Projekt?

„Es führt Dinge zusammen, die scheinbar nicht zusammengehören. Spannend war für mich, dass wir Leuten durch die Kunst nicht nur die Malerei, sondern auch die Bibel nahebringen konnten. Menschen haben die Bibel in die Hand genommen, die das sonst vielleicht niemals gemacht hätten. Wir haben quasi einen ganz neuen Zugang zur Bibel geschaffen.

In unserer ursprünglichen Vision sollte es einen gigantischen, achteckigen Raum aus 1.000 aufgeschlagenen Bibeln geben. Wir stellten uns vor, wie die Illusion von Licht, das durch Kirchenfenster nach außen, statt wie üblich, nach innen scheint, die Besucher*innen irritieren und gleichzeitig faszinieren würde. Beträten die Besucher*innen dann den Raum, wären sie eingehüllt von Tausenden Bibeltexten. Meterhoch umgeben von Textseiten, in scheinbar endloser Wiederholung, versehen mit Kommentaren der Menschen der heutigen Welt. Wir wollten Überforderung durch eine Fülle von Text und Bedeutung provozieren.

Mit unserem Projekt wünschen wir uns, dass Menschen die Bibel einmal durch Erfühlen und durch emotionale Erfahrung erleben können, anstatt ihr wie üblich auf intellektuellem Weg zu begegnen. Hier können die Menschen sich der Bibel auf einer nonverbalen Ebene nähern. Die Sprache der Kunst sprechen lassen, die keine Worte braucht.

Bis heute haben wir den Traum vom Raum der 1.000 Antworten nicht aufgegeben. Wir sind uns ganz sicher, dass es ihn eines Tages geben wird.“

 

Na, neugierig geworden? Hier erhalten Sie weitere Einblicke und Informationen zum Projekt “glaubenssteine“, zur Jugendarbeit des Evangelischen Kirchenkreis Lichtenberg-Oberspree sowie zur Künstlerin Barbara Gerasch.


https://www.instagram.com/glaubenssteine/?hl=de
https://www.instagram.com/kjk.lios/?hl=de
https://barbara-gerasch.de