Mein Gebet für heute - Kraftquelle in Coronazeiten

02.04.2020 (Donnerstag)

Mein Gebet für heute - von Pfarrer Siegfried Menthel

 

Mein Gebet für heute - Kraftquelle in Coronazeiten. Foto: Jürgen Bosenius

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jesus sagt zu seinen Jüngern:
Wenn euer Glaube auch nur so groß ist wie ein Senfkorn,
dann werdet ihr zu diesem Berg sagen: Rück von hier nach dort!,
und er wird wegrücken. (Matthäus 17, Vers 20)


Wunder der Liebe geschehen auch jetzt überall dort, wo die Berge aus Angst und Misstrauen in Bewegung geraten, weil der Glaube an die Kraft der Liebe sich von ihnen nicht erdrücken lässt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte in ihrer Ansprache angesichts der Corona-Pandemie: „Das sind nicht einfach abstrakte Zahlen in einer Statistik, sondern dass ist ein Vater oder Großvater, eine Mutter oder Großmutter, eine Partnerin oder Partner, es sind Menschen.“

Darum war es richtig, schwer erkrankte Patient*innen aus dem Elsass und später aus Italien zur Intensivbehandlung nach Deutschland zu bringen.

Genauso dürfen wir die mehr als 42.000 schutzsuchenden Menschen auf den griechischen Inseln Lesbos, Chios und Samos nicht länger in Lagern lassen, wo sie in Schmutz und Kälte, ohne genug Essen und Trinken, unter katastrophalen hygienischen Bedingungen, ohne die Möglichkeit, sich die Hände zu waschen zusammengepfercht vegetieren. Die dort tätigen Helfer sind überzeugt: Die Lagerbewohner müssen auf das Festland gebracht werden, und zwar zunächst die Kranken und Geschwächten. Das ist kein griechisches, sondern unser aller Problem; es ist ein europäisches Problem, wenn geflüchtete Menschengeschwister an unseren Außengrenzen vergessen in einer tödlichen Falle gefangen sind. Geht es um Menschenleben, spielt der Pass keine Rolle.

Deutschland kann den Anfang machen, wo sich 150 aufnahmebereite Städte, Landkreise und Gemeinden als Sichere Häfen angeboten haben. Sie könnten den Geflüchteten Zugang zu medizinischer Versorgung und ein neues Zuhause bieten.

Um mit gutem Beispiel voranzugehen, hat die Hilfsorganisation Mission Lifeline 55.000 Euro gesammelt, um ein Flugzeug aus Lesbos für 100 Geflüchtete zu chartern.

Wir klagen niemanden an, aber wir leiden darunter, dass christliche Werte mit Füßen getreten werden, die europäische Werte geworden sind.

Wir klagen niemanden an, weil es uns wichtiger ist, dass sich alle Verantwortlichen zusammentun, um diese Tragödie zu beenden.

Um unser Anliegen zu bekräftigen, werden wir, je nach persönlichem Maß, dafür fasten.

 

Wir beten:

Gütiger Gott, wir können die schreckliche Lage von Kindern, Frauen und Männern auf den griechischen Inseln an den Grenzen unserer europäischen Gemeinschaft nicht hinnehmen. Wir vertrauen der Kraft der Liebe, die sie von dort auf das europäische Festland einlädt und sie aufatmen können. Wir vertrauen darauf, dass Deine Liebe die Berge von Angst und Misstrauen, von Untätigkeit und Zweifel beiseite rückt. Bestärke uns, dabei zu helfen. Amen.

Pfarrer Siegfried Menthel