Mein Gebet für heute - Kraftquelle in Coronazeiten

12.04.2020 (Sonntag)

Mein Gebet für heute - von Pfarrerin Anke Schwedusch-Bishara, Ev. Kirchengemeinde Berlin-Müggelheim

 

Mein Gebet für heute - Kraftquelle in Coronazeiten. Foto: Jürgen Bosenius

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ostern ist nicht abgesagt!

 

Abgesagt! So steht es gegenwärtig neben Konzertterminen, Sportveranstaltungen, Theateraufführungen, Flugverbindungen, Ausflügen – einfach allen Gelegenheiten, wo viele Menschen zusammenkommen. Auch zu Gottesdiensten und Gruppen in der Kirchengemeinde kann sich im Moment niemand treffen. Abgesagt! Das trifft Christen gerade jetzt in der Passions- und Osterzeit besonders. Ich kann mir noch nicht vorstellen, wie es für mich Ostern werden soll. Manches werde ich bestimmt besonders vermissen: das Abendmahl am Karfreitag, die besondere Stimmung in der Osternacht, wenn die Osterkerze in die dunkle Kirche hineingetragen und ihr Licht untereinander weitergegeben wird, die feierliche Erinnerung an die Taufe, das Lied „Christ ist erstanden“ mit dem die Orgel nach dreitägigem Schweigen wieder erklingt und all die anderen kräftigen und fröhlichen Gesänge im Gottesdienst am Ostermorgen. Ich sehne mich danach, live dabei und mit anderen zusammen zu sein. Dennoch will ich den Kopf nicht hängen lassen. Trotz allem, was gestrichen werden muss, ist Ostern nicht abgesagt! Kein Virus und nichts auf der Welt hätte die Macht dazu.
Die Evangelien erzählen, dass Frauen am Ostermorgen vom Grab Jesu mit der Nachricht zurückkehrten: Christus ist auferstanden! Gottes Liebe ist stärker als der Tod. Diese Nachricht ist unter den niedergeschlagenen und ängstlichen Jüngerinnen und Jüngern Jesu von Mensch zu Menschen übergesprungen und hat sie mit Freude und Hoffnung infiziert.

 

Ich finde, diese österliche Hoffnungsbotschaft ist gerade jetzt angesagt, wo Menschen unter Isolation leiden, unter Ängsten vor Ansteckung oder Jobverlust und viele Familien unter Stress stehen. Auch wenn wir aufgerufen sind Abstand zu halten, können wir hoffen, dass die Osterfreude überspringt. Und versuchen, selbst dazu beizutragen. Zum Beispiel indem wir allein oder mit den Menschen unter unserem Dach Osterlieder singen, auch wenn die nicht so bekannt wie die Weihnachtslieder sind. Wer ein Instrument spielt, könnte es herausholen und zu „Christ ist erstanden“ die Fenster öffnen oder gleich ein kleines Konzert im Garten geben. Vielleicht stimmt jemand in der Nachbarschaft ein oder freut sich still daran. Unternehmen Sie doch mit den Kindern einen Osterspaziergang, suchen dabei nach Zeichen neuen Lebens in der Natur und weisen sich darauf hin. Oder sie gehen früh am Ostermorgen los, erleben den Sonnenaufgang, lesen die Ostergeschichte und singen einen Osterchoral in den Wald hinein. Haben Sie einen Bibelvers, einen Satz, ein Gedicht, ein Gebet, dass Ihnen Hoffnung schenkt? Sicher gibt es Menschen in der Nachbarschaft oder im Bekanntenkreis, die sich gerade jetzt darüber freuen. Zusammen mit einem kurzen Gruß ist es schnell verschickt oder verteilt. Der Möglichkeiten gibt es viele.

 

Es bleibt Traurigkeit, dass ich in diesem Jahr Ostern auf Vertrautes und mir Wichtiges verzichten muss. Aber noch größer ist meine Hoffnung, dass uns Phantasie geschenkt wird und sich viele von der Osterfreude anstecken lassen. Denn: Ostern ist nicht abgesagt!

 

Pfarrerin Anke Schwedusch-Bishara, Ev. Kirchengemeinde Berlin-Müggelheim