Mehr als 100 Teilnehmer*innen bei kreiskirchlicher Gedenkveranstaltung zum Mauerbau am 13. August 1961

von Jürgen Bosenius

Mehr als 100 Teilnehmer*innen bei kreiskirchlicher Gedenkveranstaltung zum Mauerbau am 13. August 1961. Foto: Jürgen Bosenius / kklios.de

Mehr als 100 Teilnehmer*innen bei kreiskirchlicher Gedenkveranstaltung zum Mauerbau am 13. August 1961

Was ist denn hier los? Der jungen Frau sieht man die Überraschung im Gesicht deutlich an: Vor ihr auf dem Mauerweg, unweit der Tabeakirche in Neukölln, kommt eine hundertköpfige Schar von „Demonstranten“ auf sie zu. „Was machen die Menschen hier?“, fragt sie den Polizisten, der sie gerade gebeten hat, vom Mountainbike abzusteigen. „Eine Gedenkveranstaltung zum 13. August von der Evangelischen Kirche“, gibt der Polizist freundlich Auskunft. In dem Moment beginnt die New Orleans Posaunenchor-Band, die den Zug anführt, zu spielen – und die junge Frau muss lächeln. Nicht schlecht, scheint sie zu denken, denn ihr Fuß wippt im Takt der Musik. Dann zieht sie ihr Handy aus der Tasche und macht ein Video.

Viele Schaulustige und mehr als 130 Gäste nahmen am 13. August 2021 an der Gedenkveranstaltung „13. August 1961 – Bau der Berliner Mauer. Die Mauer – verschwunden. Die Grenze – überwunden?“ teil,  zu der die Ev. Kirchenkreise Lichtenberg-Oberspree und Neukölln eingeladen hatten. Im Mittelpunkt stand ein gemeinsamer Spaziergang von West nach Ost: von der Tabeakirche in Neukölln zur Kirche „Zum Vaterhaus“ in Treptow-Köpenick. Die Motivation für diese Veranstaltung lag für Hans-Georg Furian, Superintendent aus Lichtenberg-Oberspree, auf der Hand: „Die Menschen einer Stadt, eines Landes wurden vor 60 Jahren voneinander getrennt – absurd und grausam. Wir erinnern daran – traurig und gleichzeitig froh, dass es diese Mauer schon lange nicht mehr gibt!

Nach der Begrüßung auf dem Gelände der Tabea-Gemeinde durch die Bezirksbürgermeister von Neukölln und Treptow-Köpenick, Martin Hikel und Oliver Igel, machte Hans-Georg Furian deutlich: „Die Mauer war kein Ereignis, das vom Himmel gefallen wäre. Sie war eine Spätfolge des II. Weltkrieges, ja und sie war auch die Kapitulationserklärung eines Staates, der seiner gescheiterten Ideologie nur so weiterhin folgen konnte. Wir denken hier an die Opfer. An die, die an der Grenze ums Leben kamen. An die, die mit ihr alle Hoffnungen begraben mussten. An die, die nicht zeigen konnten, was in ihnen steckte, auch weil sie nicht Abitur machen durften, nicht studieren konnten. An die, die den Mut hatten, zu ihrem christlichen Glauben zu stehen, und dafür Nachteile in Kauf genommen haben. An all diese und andere Opfer der SED-Diktatur denken wir, auch an jene, die wegen des Versuches verhaftet worden sind, von Deutschland nach Deutschland gehen zu wollen. Aber wir blicken nicht nur zurück. Richard von Weizsäcker hat in seiner Rede am 8. Mai 1985 auch in Bezug auf die innerdeutsche Grenze gesagt: „Wir haben die Zuversicht, dass der 8. Mai nicht das letzte Datum unserer Geschichte bleibt, das für alle Deutschen verbindlich ist.“ Und diese Zuversicht hat sich 5 Jahre später erfüllt. Darum kann mancher unter uns sagen: ‚Mir ist Erbarmung wiederfahren‘.“

Begleitet von der „New Orleans Posaunenchor-Band“ – mit Bläserinnen und Bläsern aus beiden Kirchenkreisen unter Leitung von Jürgen Hahn – führte der gemeinsame Spaziergang dann am Heidekampgraben entlang, dem ehemaligen Grenzstreifen und heutigen Mauerweg. Dort berichteten Zeitzeugen eindrücklich über Ihre Erfahrungen mit Mauerbau und dem Leben im geteilten Berlin: der Riss durch die eigene Familie, das Leid der Trennung und der Isolation.

Der Weg bis zur Kirche „Zum Vaterhaus“ führte dann durch Wohngebiete – und die Reaktionen auf die bunte Schar und die musikalische Begleitung war durchweg positiv: Immer wieder gab es Szenenapplaus von den Balkonen der Häuser.

Der Schriftsteller und Journalist Christoph Dieckmann las in der Kirche „Zum Vaterhaus“ zum Abschluss aus seinem neuen Buch „Woher sind wir geboren. Deutsche Welt- und Heimreisen“. Geschichten aus dem Leben im geteilten Deutschland vor und nach der Teilung. Der Spaziergang und die Lesung schienen einen Nerv getroffen zu haben – mit den Worten einer Teilnehmerin: „Noch immer schmerzt die Erinnerung, heute konnte ich damit umgehen. Danke.“

Die Kirchenkreise Lichtenberg-Oberspree und Neukölln hatten gemeinsam mit den Kirchengemeinden Rixdorf und Baumschulenweg eingeladen - und mehr als 100 Gäste kamen zur Gedenkveranstaltung zum Mauerbau vor 60 Jahren am 13. August 1961 http://www.kklios.de/index.php/leser-114/items/1025.html

Die Einführungsworte von Superintendent Hans-Georg Furian hier als PDF zum Herunterladen

Bildergalerie

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