Auf Wiedersehen, Pfarrer Dr. Reinhard Kähler!

von Ev. Kirchenkreis Lichtenberg-Oberspree

Auf Wiedersehen, Pfarrer Dr. Reinhard Kähler! Abschiedsgottesdienst am 23. Juli 2017 in der Kirche Zum Vaterhaus. Foto: Ev. Kirchengemeinde Berlin-Baumschulenweg

Die Kirche Zum Vaterhaus in Berlin-Baumschulenweg ist gut gefüllt an diesem Sonntag, den 23. Juli 2017. In den Bankreihen sitzen eng beieinander Familien, Alleinstehende, ältere und junge Menschen, Weggefährten. Sie sind gekommen, um Reinhard Kähler zu verabschieden, der nach 11 Jahren als Pfarrer in den Gemeinden Baumschulenweg und Johannisthal in den Ruhestand geht.

Der Gottesdienst beginnt wie üblich, Reinhard begrüßt und kündigt das erste Lied an, „Wecke Atem, locke Töne”. Es wird überhaupt viel gesungen werden in diesem Gottesdienst. Lieder, die in Gottesdiensten oder Wochenendfahrten über all die Jahre mit Reinhard immer wieder erklangen, „Geh aus mein Herz”, „Danke für jeden guten Morgen”, „Suchet zuerst Gottes Reich”.

Und schnell wird klar, dies ist ein besonderer Gottesdienst. Auch weil die Predigt eine Weggefährtin von Reinhard hält, Dr. Hanna Kasparick. Sie arbeitete lange mit ihm am Predigerseminar zusammen. Ihre Predigt nimmt den Passus aus Matthäus 28 auf, wo es heißt: „Darum gehet hin und lehret alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.”

Ein Kernsatz des Neuen Testaments – ein Leitgedanke, der die Jünger Jesu führen sollte und der heute die Christen auffordert, nicht zu ruhen, sondern in Bewegung zu bleiben, offen zu bleiben. Aber auch Zweifel zuzulassen. Sie gehören zum Glauben, sagt Kasparick. Denn auch sie halten ihn in Bewegung, mit Fragen und gesunder Skepsis. Ohne sie wäre es nicht möglich, Schein und Verblendungen aufzudecken.

Bewegung, Fragen, Hinterfragen, Zweifel, offen sein, neue Wege ausprobieren – all dies macht auch Reinhard Kähler aus und prägte seine Zeit in Baumschulenweg und Johannisthal. Er hat vieles bewegt, nach innen und nach außen, bilanziert Kasparick. In Glaubensgesprächen, thematischen Wochenendfahrten für Jung und Alt und Gesprächskreisen zog er die Menschen an und gewann im Laufe der Zeit neue Gemeindemitglieder hinzu. „Die Kirche war im Kiez wahrnehmbar„, bringt es Kasparick auf den Punkt. Einen großen Anteil daran hat auch Reinhards Frau Kristin, die mit Theateraufführungen und Chorangeboten auf die Kirche aufmerksam machte und aktiv mitwirkte. Auch ihr dankt Hannah Kasparick, nicht zuletzt im Namen der Gemeinden, ausdrücklich.

Natürlich lässt sich es Reinhard Kähler nicht nehmen, selbst ein paar Worte an die Gottesdienstbesucher zu richten. „Es war eine erfüllte Zeit ”, beginnt er. Dankbar sei er für die vielen Begegnungen mit so unterschiedlichen Menschen in den letzten Jahren. Oft waren es intensive Gespräche, manchmal nur ein kurzer Wortwechsel auf der Straße. Aber jedes Zusammentreffen habe ihn reicher gemacht. Reinhard bittet aber auch um Nachsicht dort, wo er etwas schuldig geblieben ist.

Im Anschluss gibt Reinhard das Abendmahl aus. Die Gemeindemitglieder stehen bis zur Eingangstür der Kirche, jeder möchte vom Pfarrer noch einmal das Sakrament in empfangen. Manchen stehen Tränen in den Augen. Den Satz, den die Gemeinden danach aussprechen sollen, dass sie damit einverstanden sind, Reinhard Kähler aus dem aktiven Dienst der Kirche zu entlassen, dürfte deshalb einigen nicht leichtgefallen sein.

Die Dankesbekundungen nach dem Gottesdienst kennen dann auch keine Grenzen. Bei einem kleinen Empfang verabschieden sich viele persönlich überreichen kleine Geschenke, wechseln einige Worte. Wer möchte, kann seine Gedanken und Wünsche zu Papier bringen. Die Vorsitzenden der Gemeindekirchenräte, Michael Aust und Thomas Menn richten sich noch einmal persönlich an Reinhard ebenso wie Pfarrer Paulus Hecker. Es wird deutlich, die Zeit mit Reinhard, die Arbeit mit ihm war intensiv, freundschaftlich, aber auch fordernd.

Einen Dank an Reinhard kommt an diesem Sonntag aber nicht nur von kirchlicher Seite, nein, auch von weltlicher. Bezirksbürgermeister Oliver Igel hat es sich nicht nehmen lassen, persönlich zu erscheinen und Reinhard Kähler zu danken. Die Arbeit der Kirche im Bezirk sei wichtig. Weil es um die Arbeit mit Menschen geht und das konnte Pfarrer Kähler.

Was er nun vorhabe und ob man ihn wiedersehen werde, wird Reinhard Kähler oft an diesem Tag gefragt. Mit einem verschmitzten Lächeln antwortet der frischgebackene Ruheständler, erstens er wisse es noch nicht und zweitens er gebe keine Versprechungen ab…

So bleibt denn (vorerst) nur zu sagen, wie es Hanna Kasparick treffend formulierte: Danke Reinhard, für alles Verborgene und für alles Sichtbare!

Dank an diesem Tag galt auch zwei Mitgliedern der Gemeinde.

Ehrenamtlich aktiv gezeigt für das Führen der Kirchenbücher hatte sich über Jahre Ulrike Heinze. Für die Offenen Kirche und Unterstützung, „wo immer Not am Mann war” galt ein besonderer Dank Detlef Brauer.

Elisabeth Schnell

Text und Bild mit freundlicher Genehmigung der Ev. Kirchengemeinde Berlin-Baumschulenweg. Vielen Dank. Weitere Bilder aus dem Abschiedsgottesdienst finden Sie hier.

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