Bachkantate im Gottesdienst – Auftakt am 22. September 2018 in der Erlöserkirche Rummelsburg – Gottesdienstreihe des Ev. Kirchenkreises Lichtenberg-Oberspree

von Ev. Kirchenkreis Lichtenberg-Oberspree

Bachkantate im Gottesdienst – Gottesdienstreihe des Evangelischen Kirchenkreises Berlin Lichtenberg-Oberspree

Von September bis November 2018 laden wir wieder in die Erlöserkirche Rummelsburg zur Reihe „Bachkantate im Gottesdienst“ ein. In der Erlöserkirche als Zentralkirche des Kirchenkreises Berlin Lichtenberg-Oberspree findet jeweils am 3. Sonntag ein Abendgottesdienst statt, in dem die Bachkantate das inhaltliche Zentrum bildet. Die Predigt wird den Text der Kantate beleuchten.

Wir freuen uns, dass wir neben Pfarrerin Sapna Joshi als „Haus-Pfarrerin“ der Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde Berlin zwei Gäste als Gastprediger gewinnen konnten.
Pfarrerin Beatrix Forck ist als Pfarrerin in Frankfurt/Oder tätig. Von 2002 bis 2010 leitete Sie als Superintendentin den Kirchenkreis Berlin Lichtenberg-Oberspree.
Dr. Christian Stäblein ist Propst der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Er ist Stellvertreter des Bischofs und theologischer Leiter des Konsistoriums in Berlin. Dort leitet er die Abteilung „Theologie und Kirchliches Leben“.

Diese Reihe des Kirchenkreis Lichtenberg-Oberspree verfolgt das Ziel, Bachkantaten wieder verstärkt in Gottesdiensten statt in Konzerten aufzuführen. Kantoren des Kirchenkreises Lichtenberg-Oberspree werden die musikalische Leitung der drei Abendgottesdienste in Händen halten.


Den Programmflyer können Sie hier herunterladen.

Sonntag, 16. September 2018, 18 Uhr
Kantate BWV 51 "Jauchzet Gott in allen Landen"  
Barbara Berg, Sopran; Concertino Berlin mit alten Instrumenten
Leitung: Beate Kruppke
Predigt: Pfrn. Beatrix Forck, ehem. Superintendent des Kirchenkreises Berlin Lichtenberg-Oberspree
Liturgie: Pfr. Thomas Jabs

Die Kantate wurde von Johann Sebastian Bach vermutlich für den 17. September 1730 geschrieben. Sie stellt außerordentlich hohe Anforderungen an die Solo-Sopranistin hinsichtlich Beweglichkeit, Ausdauer und Ambitus. Bach zeigt in dieser Kantate die ganze Palette des Gotteslobs. Der erste Satz ist ein auskomponierter Jubilus, eine Aufforderung zum lobenden Jauchzen über Gottes Wunder und seine segensreichen Taten. Die instrumentale Einleitung wird durch eine Trompetenfanfare dominiert, die dann in einen lang ausgehaltenen jubelnden Triller übergeht. Die ausgesprochen virtuose Partie der Trompete tritt in einen Dialog mit der ebenso virtuos geführten Singstimme. Im anschließendem Satz erklingt – begleitet durch ein Bogenvibrato der Streicher – die Sopranstimme mit einem bemerkenswerten Einsatz einer aufsteigenden Sexte: „Wir beten zu dem Tempel an“. An der Textstelle vom "schwachen Mund", der angesichts der göttlichen Wunder nurmehr lallen kann, versinnbildlicht Bach die Schwäche durch verminderte Intervalle, Dissonanzen und rhythmisch komplizierte Melismen. In der darauffolgenden Arie "Höchster, mache deine Güte“ ist der abschließende Hinweis auf das unabdingbare fromme Leben wichtig, mit dem die Liebe Gottes verdient werden kann. Nach dem Choral "Sei Lob und Preis in Ehren“ mit zwei konzertierenden Soloviolinen schließt die prächtige Kantate mit einem ausgedehnten "Alleluja", zu der wieder die alles überragende Trompete hinzutritt. Martin Kirnbauer/Beate Kruppke



Sonntag, 21. Oktober 2018, 18 Uhr
Kantate BWV 104 "Du Hirte Israel, höre"
Lichtenberger Kantaten-Chor
Lichtenberger Kammerorchester
Ralph Eschrig, Tenor; Konstantin Paganetti, Bass
Leitung: Matthias Elger
Predigt:  Dr. Christian Stäblein,
Liturgie: Pfrn. Ute Pfeiffer

Bach hat die Kantate 104 in seinem ersten Leipziger Amtsjahr 1724 komponiert. Der unbekannte Textdichter greift das Gleichnis vom Guten Hirten auf und zeichnet es äußerst plastisch, indem er aus einem reichen Fundus von biblischen Querverbindungen schöpft. Nach der Eröffnung, die eine Anrufung an den "Hirten Israel" um Trost darstellt (Psalm 80, 2), nimmt der Textdichter die Position eines Schafes ein, das über sein (glückliches) Schicksal nachdenkt. In der Bass-Arie Nr. 5 wird die christliche Gemeinschaft (im Bild der Herde) wie von außen betrachtet und die Aussage allgemeiner gefasst, die der Schlusschoral schließlich durch die Paraphrase des bekannten 23. Psalms bekräftigt.
Bach eröffnet die Kantate mit einer pastoralen Sinfonia und lässt hier sofort drei Oboen als Hirteninstrumente erklingen, deren Motivik vom Chor aufgegriffen wird und in eine weitgespannte Fuge mündet. Auch die Aria Nr. 5 ist im 12/8-Takt und mit wiegenden Bass-Oktaven pastoral gehalten. Einzig die Aria Nr. 3 bildet einen Gegenpol: Mit vielen chromatischen Gängen und überraschender Harmonik ("allzu bange") zeigt sie die "Wüstenerfahrung", die vermeintliche Abwesenheit des Guten Hirten. Auf das Textwort "du Hirte, wirkst in mir ein gläubig Abba durch dein Wort" wendet Bach die um den h-Moll-Bereich verzweifelt kreisende und suchende Harmonie ziemlich unerwartet in ein strahlendes D-Dur. Dass ich so suchen und zu Gott rufen darf, ist „des Himmels Vorgeschmack“. Jörg-Andreas Bötticher



Sonntag, 18. November 2018, 18 Uhr
Kantate BWV 93 „Wer nur den lieben Gott lässt walten“
Kantorei Karlshorst; Junges Bach Ensemble
Sopran: Barbara Berg; Alt: Irene Schneider; Tenor: Volker Arndt; Bass: Sebastian Bluth
Orgel: Sebastian Glöckner
Leitung: Cornelia Ewald
Predigt und Liturgie: Pfrn. Sapna Joshi

Die Choralkantate „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ ist zum 5. Sonntag nach Trinitatis 1724 entstanden. Ihr liegt der Text des Chorals von Georg Neumark (1641) zugrunde. Den Anlass zur Verwendung dieses Liedes bildet der im Gottesdienst verlesene Evangelientext: Petrus hat in der ganzen Nacht nichts gefangen, wirft aber auf Jesu Rat die Netze nochmals aus und fängt eine solch große Menge Fische, dass die Netze sie kaum halten können. Das Lied unterstreicht die Botschaft, dass der Mensch sich auf Gottes Walten verlassen kann. Im Eingangschor verbindet sich ein aus zwei Oboen, Streichern und Continuo bestehender Orchestersatz mit Choreinwürfen, die versweise die erste Choralstrophe durchführen. Besonders koloraturreiche Imitationen prägen diesen festlichen Auftakt. Im anmutigen Duett Nr. 4 tragen Sopran und Alt zwar den Wortlaut der Liedstrophe vor, lassen die dazugehörige Melodie jedoch nur von fern anklingen. Als eigentlicher Träger des Cantus firmus erweist sich eine aus Violinen und Viola zusammengestellte Mittelstimme, die die Liedmelodie zeilenweise als „Choral ohne Worte“ einfügt. Dieses Trio mit Choral muss im Umfeld Bachs so geschätzt worden sein, dass es später Eingang in die von Georg Schübler gedruckte Sammlung der „Sechs Choräle von verschiedener Art“ (sog. Schübler-Choräle) fand. Dass Georg Neumarks wunderbares Lied solch kunstvollen Niederklang in Bachs Werk fand, kann als großes Geschenk für die Christenheit angesehen werden.  Anselm Hartinger

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