Gedanken zur Jahreslosung von Superintendent Hans-Georg Furian

von Superintendent Hans-Georg Furian

Gedanken zur Jahreslosung von Superintendent Hans-Georg Furian. Zeichnung: Beate Reußner

Gedanken zur Jahreslosung aus Psalm 34, Vers 15: „Suche Frieden und jage ihm nach!“

In jeder Generation gibt es Wendungen, die ‚hängen geblieben sind‘. Das trifft auch auf den – mit dem Stichwort Frieden zusammenhängenden – Slogan zu ‚Frieden schaffen ohne Waffen‘. Mancher Jugendliche in der DDR, der mit dem ähnlichen Aufnäher: ‚Schwerter zu Pflugscharen‘ herum gelaufen ist, wurde darauf von den staatlichen Organen angesprochen; ja, hin und wieder wurde er auch abgetrennt vom Ärmel. Unser damaliger Bischof Gottfried Forck besorgte sich daraufhin einen solchen Aufkleber und klebte ihn auf seine Aktentasche, mit der er dann zum Gespräch mit staatlichen Vertretern gegangen ist (von einem damaligen Teilnehmer weiß ich das).
Das ist lange her. Diese Erfahrung müssen die heutigen Jugendlichen glücklicherweise nicht mehr machen.
Daran werden wir im November denken: 30 Jahre Mauerfall.
 
Was eher untergehen dürfte, ist die ökumenische Versammlung, die ihren Höhepunkt Ende April vor 30 Jahren fand. Der Aufruf an die Gemeinden, sich zu beteiligen, unter dem Motto: Eine Hoffnung lernt gehen (1987), ließ sich nicht stoppen. Am Ende der Versammlung wurde festgehalten: „Wir bekennen uns zu unserer vorrangigen Verpflichtung Gerechtigkeit für alle Benachteiligten und Unterdrückten zu schaffen; Wir bekennen uns zu unserer vorrangigen Verpflichtung dem Frieden mit gewaltfreien Mitteln zu dienen; Wir bekennen uns zu unserer vorrangigen Verpflichtung Leben auf dieser Erde zu schützen und zu fördern.“ Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung – dieser Gesprächszusammenhang hat vor 30 Jahren einen wichtigen Beitrag aus der DDR selbst heraus geleistet, dass das Regime unterging. Sieht man sich die ‚Agenda 2030‘ an, die 2015 in Rio von der UN-Vollversammlung beschlossen worden ist, zeigt sich: die damalige Hoffnung hat gehen gelernt: sie ist beschlossene politische Zielsetzung der Regierungen der Staaten unseres Planeten. Das war vor drei Jahren – aber gefühlt vor über 40 Jahren!

Heute zieht erneut eine kalte Zeit herauf: Japan erhöht die Rüstungsausgaben. Für die USA gilt: America first und allzu viele Länder – selbst das uns so nahe Ungarn - meinen, von den USA lernen hieße Siegen lernen.
Angesichts dessen frage ich mich:

Haben wir noch einmal die Kraft, dem Rad in die Speichen zu fallen?

 
Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Neues Jahr,
bleiben Sie behütet!
 
Ihr
Hans-Georg Furian

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