Bericht von der Klausurtagung des Kreiskirchenrates vom 17. bis 19. Januar 2020 in Groß-Pinnow

von Superintendent Hans-Georg Furian

Bericht von der Klausurtagung des Kreiskirchenrates vom 17. bis 19. Januar 2020 in Groß-Pinnow. Foto: kklios.de

Von Superintendent Hans-Georg Furian

Die Tagung begann am Freitag mit der Sitzung des Kreiskirchenrates: Die erneute Ausschreibung der Pfarrstelle Neuenhagen-Dahlwitz wurde beschlossen, Personalangelegenheiten beraten und entschieden. Ferner wurde das Anliegen behandelt, ob Gemeinden für die Aufarbeitung ihres Archivgutes einen Zuschuss bekommen sollen, wenn diese Arbeiten schon durchgeführt worden sind. Diese rückwirkende Bezuschussung wurde abgelehnt. Dem Freizeitheim des Kirchenkreises in Wanzka wurde eine Baubeihilfe von 50.000 Euro gewährt.

Am Sonnabendvormittag haben wir uns unter Leitung von Pfarrer Kastner mit der Jahreslosung befasst.

Am Nachmittag hat uns dann zunächst Herr Orphal das landeskirchenweite Intranet vorgestellt. Wir haben uns dazu entschlossen, es als Kreiskirchenrat nutzen zu wollen und eine Schulungsveranstaltung für unsere Gemeindekirchenräte anzubieten, so dass auch diese es verwenden können.

Den Hauptteil des Nachmittages nahm dann ein Rückblick auf die abgelaufene Legislaturperiode ein und ein Ausblick auf die kommende.

Was war?

Worauf sind wir stolz, wenn wir zurückblicken? Schaut man auf das, was viel Zuspruch von den Teilnehmenden bekam, sind es folgende Punkte, die alle mit unserer Lage zu tun haben, nämlich ob und wie es uns evangelischer Kirche gelingt, von der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden – bei einem Anteil an der Bevölkerung von knapp 10 Prozent. In Erinnerung wird bleiben das Fest im FEZ am 31. Oktober 2017 zum 500-jährigen Jubiläum der Reformation, die Aktion „Licht an!“ am Biesdorfer Kirchturm und die ersten beiden Lichtenberger Dialoge, etwa mit Ministerpräsident Bodo Ramelow oder Altbischof Wolfgang Huber. Wir freuen uns darüber, dass es uns möglich war, im Kirchenkreis neue Stellen zu schaffen: für die Fachbereiche Öffentlichkeitsarbeit, die Jugendarbeit, die Arbeit mit Posaunenchören und im Sekretariat. Eine Entscheidung mit Zukunftspotenzial war der Ankauf der uns bis dahin nicht vollständig gehörenden Immobilie Schottstr. 6 und deren grundlegender Modernisierung. Ebenso in die Zukunft ragt die Gründung des kreiskirchlichen Verbandes zur Trägerschaft von Kitas.

Was kommt?

Damit sind wir schon bei dem, was wir uns für die Zukunft vorstellen können. Das hat wieder mit der Herausforderung zu tun, öffentlich wahrgenommen zu werden. Aber auch damit, ein Milieu zu schaffen, in dem sich der Konformitätsdruck umkehrt: von der Konfessionslosigkeit zur Konfessionszugehörigkeit. Wir brauchen Orte auch außerhalb der – obwohl wir das nicht wollen – oft geschlossenen Gruppe der Kerngemeinde, ja außerhalb der Gemeinde selbst, wo man sich nicht dafür rechtfertigen muss, dass man Christ ist oder noch in der evangelischen Kirche ist. Dieser Konformitätsdruck macht unseren Mitgliedern sehr zu schaffen. Die Folge ist zu sehen. Wo dieser Druck nicht oder kaum besteht, in den alten Bundesländern, lassen von 100 evangelischen Müttern 80 ihr Kind taufen. In den neuen Ländern sind es noch 60. Wie viel sind es wohl bei uns? In so einer Welt braucht es – neben den Gemeinden – Orte der Bestätigung, an denen zugleich ein Angebot gemacht wird, dass von den Menschen nachgefragt wird. Auf diesem Hintergrund sind folgende Ideen für die Zukunft entstanden. Nach innen: Begegnung ermöglichen durch Kreiskindertag, Kreismusiktag und Kreiskirchentag und ein Tauffest. Und nach außen: Gelingt es uns, im Kirchenkreis einen Bildungsort zu schaffen, in dem Kita und Grundschule zu Hause sind? Dann geht es um die multimediale Kirche, also eine ohne Personal ständig geöffnete Kirche, die religionspädagogisch erschließt, was zu sehen ist. Die Kirchengebäude selbst sind missionarische Gelegenheiten, wenn sie offen sind! Ferner geht es um ein Intranet für alle Engagierten und eine ökologisch orientierte Anpassung unserer Bauförderrichtlinie. Schließlich um Visitation und darum, Bedingungen zu verbessern, die Gemeinden zur Zusammenarbeit ermuntert. 

Das sind Ziele, die nach innen festigen und so unsere gemeindlichen Kompetenzen stärken, zugleich sind es Ziele, die darauf reagieren, dass wir in unseren Gemeinden weniger als 20 Prozent unserer eigenen Gemeindeglieder erreichen, so dass es darum gehen muss, Orte zu schaffen, wo es zu Kontakten mit den „Randsiedlern“ unserer Gemeinden (und anderen) kommt – nämlich Bildungsorte, denn die werden nachgefragt.

Am Sonntag erlebten wir zum Abschluss der Klausurtagung einen schönen Lektorengottesdienst: authentisch und kraftvoll. Nach dem Mittag haben wir uns dann, geistlich und leiblich gestärkt, auf den Heimweg gemacht. 

Wieder war es für alle eine stärkende Gemeinschaftserfahrung!

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