„Wer will, dass die Kirche bleibt wie sie ist, will nicht, dass sie bleibt“ – Kreissynode Lichtenberg-Oberspree tagt im Haus des Kirchenkreises

von Jürgen Bosenius

Vor Beginn der Kreissynode: Das Präsidium findet zusammen. Foto: kklios

Drei große Themen haben die 4. Tagung der Kreissynode – Legislatur 2014 bis 2019 – am 10. Oktober in Lichtenberg bestimmt: die Vorstellung der Studie „Werthaltungen Konfessionsloser im Kirchenkreis Lichtenberg-Oberspree“, die Frage, welche Konzepte sich für die Begegnung mit ihnen aus diesen Ergebnissen ableiten lassen, und die Situation der Flüchtlinge in den Gemeinden des Kirchenkreises.

Gleich zu Beginn der Kreissynode machte Superintendent Hans-Georg Furian in seinem Bericht die Notwendigkeit deutlich, offen für Veränderungen zu sein: „Wer will, dass die Kirche bleibt wie sie ist, will nicht, dass sie bleibt.“ Die Zahl der Kirchenaustritte habe sich den zwei zurückliegenden Jahren verdoppelt. Dafür könne die Verwirrung um die Kirchensteuer nicht ausschließlich verantwortlich gemacht werde.
80 bis 90 Prozent der Bevölkerung gehören im Kirchenkreis keiner Konfession (mehr) an. Aus diesem Grund hatte der Kirchenkreis im vergangenen Jahr beim Sozialwissenschaftlichen Institut der EKD in Hannover die Studie „Werthaltungen Konfessionsloser im Kirchenkreis Lichtenberg-Oberspree“ in Auftrag gegeben. „Wir brauchen Antworten auf die Frage, wie wir und vor allen Dingen mit welchen Angeboten wir diese Menschen erreichen können“, sagte Superintendent Furian.

Die Zahl derjenigen, die sich überhaupt nicht für religiöse Fragen interessieren, wird immer größer

Oberkirchenrätin Petra-Angela Ahrens präsentierte anschließend in einem kurzweiligen Vortrag die zentralen Ergebnisse der komplexen Studie, die sich unter anderem mit dem Lebensgefühl der Konfessionslosen im Kirchenkreis beschäftigt, ihrer Haltung zur Religion, der Lebenszufriedenheit, ihrer Einstellung zum ehrenamtlichen Engagement und ihren Erfahrungen in Bezug auf Kirche.

Drei wichtige Ergebnisse lassen sich zusammenfassen:

  1. Die Gruppe derjenigen, die sich selbst als überzeugte Atheisten bezeichnen, wird immer kleiner, aber gleichzeitig steigt die Zahl der religiös Indifferenten: Sie haben keinerlei Interesse mehr an religiösen Fragen. Bei den Jüngsten (18 bis 29 Jahre) lässt sich eine größere religiöse Offenheit erkennen. Das heißt aber nicht, dass sie religiöse Antworten nachfragen, schon gar nicht, dass sie sich einer religiösen Gemeinschaft bzw. einer Kirche zuwenden.
  2. Die Zahl der Konfessionslosen im Kirchenkreis, die sich engagieren würde, ist größer als gedacht. 16 Prozent der Befragten tun dies bereits, aber das Potential ist mit 32 Prozent fast doppelt so hoch.
  3. Konfessionslose verbinden mit der Evangelischen Kirche (Religion) positive Erfahrungen: vor allen Dingen mit Blick auf Kirchengebäude, Kasualien (Taufe, Konfirmation, Trauung, Beerdigung), den Heiligen Abend und die Kirchenmusik.

In der anschließenden Aussprache wurde darüber diskutiert, welche handlungsrelevanten Konsequenzen diese Ergebnisse haben: Das Angebot zur ehrenamtlichen Mitarbeit ausweiten, weil es eben auch unter den Konfessionslosen eine große Gruppe von Menschen gibt, die sich gemeinsam mit anderen für etwas einsetzen wollen? Diakonische Angebote als „Brücke in die Gesellschaft“ stärken? Einig waren sich die Synodalen mehrheitlich darin, die Diskussion zügig fortzusetzen. Dies wird Anfang 2016 in einem eintägigen Werkstattgespräch geschehen.

Einführung von Hartmut Scheel als Kreispfarrer zur besonderen Verfügung

Eine besondere Rolle spielt die Kirchenkreis-Studie für Hartmut Scheel. Seit dem 1. September ist er Kreispfarrer zur besonderen Verfügung, er selber nennt sich aber auch „Pfarrer der Konfessionslosen“ im Kirchenkreis. Denn eine seiner zentrale Aufgabe wird darin bestehen, für diese Menschen Konzepte zu entwickeln, wie Kirche auf sie zugehen kann.
Nach der feierlichen Einführung durch Superintendent Furian und die Mitglieder des Kreiskirchenrates stellte er ein Jesus-Wort aus dem Johannes-Evangelium in den Mittelpunkt seiner Andacht: „Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden und wird ein- und ausgehen und Weide finden.“ (Joh 10, 9)

Das Engagement für Flüchtlinge in den Gemeinden ist ungebrochen hoch

Nach der Annahme der Haushaltspläne 2016 des Kirchenkreises und der Schottstraße durch die Synodalen spielte bei den Fragen an den Kreiskirchenrat und bei den Berichten aus den Kirchengemeinden das Thema der Flüchtlichsbetreuung und -unterbringung eine große Rolle. Superintendent Furian dankte an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich den Gemeinden und den in ihnen tätigen Ehrenamtlichen für ihren täglichen Einsatz in den Flüchtlingsunterkünften. Er erläuterte in diesem Zusammenhang auch die Situation, in der sich der Kirchenkreis mit der Betreuung von 15 Flüchtlingen vom Oranienplatz befindet. Der Status von 13 Personen ist weiterhin und auf unbestimmte Zeit ungeklärt. „Dies ist für alle unzumutbar“, sagte Furian. Diese Frage müsse schnell geklärt werden. Erfreulicherweise, darauf wies Pfarrer Paulus Hecker aus Treptow hin, konnten zwei der Flüchtlinge mittlerweile in das normale Asylverfahren gebracht werden.

Mit dem Hinweis von Präses Michael-Erich Aust, dass die kommende Kreissynode am 27. Februar 2016 stattfinden wird, und dem Schlusssegen von Superintendent Hans-Georg Furian endete dann am Nachmittag die Kreissynode.

Vor Beginn der Kreissynode: Das Präsidium findet zusammen. Foto: kklios Die Synodalen im Haus des Kirchenkreises in Berlin-Lichtenberg. Foto:kklios Erzieherinnen aus Swasiland, Gäste des Kirchenkreises, während eines musikalischen Beitrags. Foto: kklios Einführung von Kreispfarrer Hartmut Scheel durch Superintendent Hans-Georg Furian und die Mitglieder des Kreiskirchenrates. Foto: kklios Kreispfarrer Hartmut Scheel hält nach seiner Einführung die Andacht. Foto: kklios Oberkirchenrätin Petra-Angela Ahrens präsentiert den Synodalen die Ergebnisse der Studie "Werthaltungen Konfessionsloser im Kirchenkreis Lichtenberg-Oberspree". Foto: kklios

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